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Im Wald verlaufen: Into the Woods | Cineventure | Aus Liebe zum Film
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Ein Thema, zwei Filme. Plus Meinung & Empfehlungen.

Im Wald verlaufen: Into the Woods

Gehen Jacob und Wilhelm Grimm mit Charles Perrault in eine Kneipe… So oder so ähnlich könnte der Witz anfangen, an dessen Ende „Into the Woods“ steht. Einer dieser Witze, bei denen man nicht recht weiß: Ist er jetzt rum? Muss ich jetzt lachen? Einer dieser Witze, die nur funktionieren, wenn man dabei war, als sich zutrug, was immer dann der Witz wurde.

Die Idee ist verlockend: Ein Märchen-Mash-Up stellt die Frage: Was passiert eigentlich nach „Und wenn sie nicht gestorben sind…“? Die Umsetzung von Stephen Sondheims gleichnamigen Broadway-Musical zerfällt aber auf der Leinwand in zwei derart heterogene Brocken, dass die schwache zweite Hälfte die gelungene erste Hälfte geradezu vergessen macht.

Reim‘ dich oder ich fress‘ dich!

Regisseur Rob Marshall biegt und lötet die beiden Akte so ungelenk-verbissen zusammen, dass es mindestens irritiert. Sondheim, der selbst an der Produktion beteiligt war, hat das entweder nicht gestört oder aber er hat sein Möglichstes getan, den Film zu retten. Kurz zum Plot: Der Fluch einer Hexe hindert einen Bäcker und seine Frau daran, Kinder zu haben. Um die Verwünschung zu brechen schickt die Hexe das Paar auf einen Quest in den dunklen Wald, wo sie Aschenputtel, den bösen Wolf, Rotkäppchen & Co. begegnen.

Um das klarzustellen: Der Film leidet keineswegs an der formellen Verfasstheit, dem Wunsch, ein Wollknäuel zu sein. Den Anspruch „Märchen-Mosaik“ stemmt der Streifen, auch dank guter Darsteller, mit Bravour. Dass da alle möglichen Figuren und Archetypen aus der Märchenwelt die Szenerie bewohnen ist auf narrativer Ebene ganz liebenswert und überzeugend gelöst.

Zweiter Akt: Im Sturzflug durch Grimm & Co.

Nach 45 Minuten aber wechselt der Film komplett den Gang, changiert jäh in Stimmung, Farben und Geschwindigkeit, so dass es den Eindruck erweckt, man sehe da ein Double Feature, den Film und das Sequel gleich hintennach. Das ist kein überlegter plot twist, an dieser Stelle verliert sich der Streifen.

Im Nullkommanichts verführt der eine Prinz, der wie Florian Silbereisen ausschaut und zuvor die ganze Provinz gründlich nach Aschenputtel abgegrast hat, um Nämliche stracks zu ehelichen, die Bäckersfrau, die, nachdem der Unfruchtbarkeitsfluch der Hexe erst einmal gebrochen war, augenblicklich mit Kind im Arm dastand. Nach etwas Petting lässt der Prinz auch die frische Mutter im Wald stehen, woraufhin sie von einer Klippe stürzt. Der verwitwete Bäcker nimmt Rotkäppchen, die Ex vom Prinzen und den Knaben Hans, dessen Mutter auch spontan verstorben ist, bei sich auf. Die Hexe ist jetzt zwar jung und hübsch, dafür ist ihre Zauberkraft flöten gegangen. Ihre Tochter, Rapunzel, die auch noch des Bäckers Schwester ist, haut mit einem anderen Prinzen ab, der zwischenzeitlich blind war, aber jetzt ist wieder geheilt ist. Einfach so. Die Pille muss man erst mal schlucken.

Repeti-ti-ti-ti-tiv

Was bleibt also von einem Film, der sich mittendrin völlig im Wald verläuft? Man muss schon für Sondheim schwärmen, um die Musik allein, das Stakkato von arg repetitiven Songs ins Feld zu führen. Auch der Musik schadet letztlich die Pattex-Brücke zwischen den zwei Akten. Wenn die Charaktere einmal ihr Glaubwürdigkeit und Relevanz verloren haben, hört man ihnen auch nicht länger gern beim Singen zu.

Ich schätze Sondheim, vor allem für Sweeney Todd. Ich bin ansonsten weder textsicher noch auch nur halbwegs bewandert, was sein Œuvre betrifft und bitte meine Stümperhaftigkeit zu entschuldigen: Aber mir gehen die Stücke über weite Strecken auf den Keks.

#overwhat?!

Aber! Ein Vorschlag zur Güte: Durch die Meryl-Streep-Brille betrachtet sieht die Sache viel harmloser aus. Ihre Performance ist so gut, dass sogar die Mittelmäßigkeit des Films an ihr abperlt wie Wassertropfen an einer Teflonpfanne. Was uns zu einem nicht unerheblichen Kern bringt: Gibt es überhaupt schlechte Streep-Performances? Naja, bei über vierzig Filmen vielleicht eine Handvoll. Flavorwire findet ganze zehn. Bei denen man über einige aber auch streiten könnte.

So oder so: Es ist lang nicht genug Stoff, um einen Tweet zu stricken wie es „The Donald“ im Nachgang der 2017er Golden-Globe-Zeremonie ernsthaft fertiggebracht hat. Der Schmäh-Tweet, in dem der Donald Trump Streep als überschätzte Schauspielerin tadelt, zeugt von seiner gänzlichen Kunstarmut,  Ich möchte hier nicht eine Beschimpfung mit der nächsten rügen, aber seine Kritik ist derart verfehlt und hohl – es möchte einem die Spucke wegbleiben. Und bei solcherlei Gürtellinien-Limbo sei nur noch gesagt: Mir wäre sogar Sondheim als US-Präsident lieber. Oder Florian Silbereisen.

Felix‘ 3 Picks

Kurz nach den Cineventure-Weihnachtsausgaben, haben wir ein Meryl-Streep-Special eingeschoben – das war der Aktualität geschuldet. Wie zuvor schon bei Diane Keaton fiel es sehr schwer, sich auf zwei Spielfilme aus dem gesamten Schaffen Streeps festzulegen. Felix hat in dieser Woche „Ironweed“ ausgesucht, Sandra hat darüber geschrieben.

Was Felix noch im Ärmel hatte:

Felix

Als Student und Journalist lebt Felix in Frankfurt am Main – eine Stadt, die sein Herz sehr hoch schlagen lässt. Als Cineast hält er es mit Tucholskys Bonmot: „Ein Film – was kann das schon sein, wenn es die Zensur überlebt hat?“

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