Cineventure

Ein Thema, zwei Filme. Plus Meinung & Empfehlungen.

Schippernder Widerstand: The African Queen

Es ist ein altes Grundrezept, das immer wieder herangezogen wird, wenn eine gute Geschichte in Buch-, Film- oder Serienform ihren Lauf nimmt. Man nehme zwei Menschen, die auf den ersten Blick so gar nicht zueinander passen wollen – den Naturburschen und die feine Dame zum Beispiel oder das Straßenmädchen und den Millionär – und eigentlich braucht die ganze Soße bereits ab diesem Moment kaum noch zusätzliche Würze. Kann man machen, muss man aber nicht.

John Huston macht es sich mit „The African Queen“ zumindest nicht ganz so einfach. Die Geschichte spielt im politisch hochbrisanten zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, den Jahren als der Erste Weltkrieg seinem Namen Rechnung trug. Denn nicht nur in Europa verdichteten sich in diesen Jahren die Konflikte, sondern auch im afrikanischen Kolonialgebiet, wo plötzlich Menschen kämpften, die mit der ganzen Sache doch eigentlich überhaupt nichts zu tun hatten.

Starke Hauptdarsteller

Und das führt wiederum dazu, dass sich auch Menschen zur Wehr setzen müssen, die mit der ganzen Sache ebenso wenig zu tun hatten. Zu denen gehören der grummelige Schiffskapitän Charlie Allnut und die Pastorenschwester und Missionarin Rose Sayer, deren gemeinsamen Weg mit dem Schiff African Queen wir als Zuschauer begleiten. Wobei wir wieder am Anfang angekommen wären. Dem, wo ich schreibe, dass eine gute Filmgeschichte mit zwei so grundlegend unterschiedlichen Charakteren kaum schief gehen kann. Vor allem dann nicht wenn wir es in den Hauptrollen mit Katherine Hepburn und Humphrey Bogart zu tun bekommen. Selbst wenn sie nie zuvor auf ein und derselben Leinwand zu sehen waren.

Nachdem das afrikanische Dorf, in dem Sayer mit ihrem Bruder missionierte abgebrannt ist, lädt Allnut sie auf sein Schiff, um die feine Dame in Sicherheit zu bringen. Die jedoch beginnt sich für die politischen Hintergründe des Angriffs auf ihre kleine Welt zu interessieren und schmiedet große Pläne zur Gegenwehr gegen die Deutschen Soldaten. Wohlgemerkt als Frau der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts sowie weibliche Hauptrolle eines Nachkriegsdramas. Zu Beginn widmet sich der Captain noch lieber dem Gin als ihrer Abenteuerlust, doch nach und nach erweichen sich Herz und Verstand und die Zusammenarbeit trägt erste Früchte. Wenn es sich dabei auch meistens darum handelt, lebend aus den immer gefährlicher werdenden Stromschnellen herauszukommen.

Irgendwo in Afrika

Wobei wir auch gleich zu einem Punkt kommen, warum The African Queen für seine Zeit zu den bemerkenswerteren Streifen gehört: Die Dreharbeiten (zu einem unabhängigen Film abseits der großen Studios in Polycolor!) fanden zum Teil im Studio, zum anderen tatsächlich dort statt, wo der Film auch spielt. Filmteam und Schauspieler flogen für mehrere Wochen nach Afrika, wo nicht nur bemerkenswerte Landschaftsaufnahmen garantiert waren. Gleichzeitig sorgte der Aufenthalt im für die Filmcrew unbekannten Kongo und Uganda auch für mehrere gesundheitliche Ausfälle, was den Dreh immer wieder stark erschwerte. Was jedoch (genau übrigens wie die grünen Ränder um die Hauptdarsteller in den Actionszenen, die auf erste Experimente mit Green Screen-Technologie hinweisen) nicht verhindern konnte, dass für die Verhältnisse des Nachkriegskinos etwas unglaubliches entstand.

Ohne Frage geht die Geschichte, die The African Queen erzählt, ans Herz. Ohne Frage beeindruckt der technische Fortschritt, der den Film mit all seinen Modellaufnahmen und Green Screen-Szenen heutzutage kaum noch als Klassiker der 1950er erkennbar macht. Und ohne Frage hat Humphrey Bogart seinen (einzigen!) Oscar für die Rolle des Charlie Allnut mehr als verdient. Ganz nebenbei enthält The African Queen jedoch auch eine Botschaft, die in heutigen politischen Zeiten aktueller nicht sein könnte: Jede Form von Widerstand ist möglich, wenn man fest genug an sich glaubt. Und das macht den Film noch heute zu weit mehr als einem 50er-Jahre-Museumsstück des britisch-amerikanischen Independent Films.

Sandras 3Picks

Das ungleiche Paar, mit dem sich Felix in dieser Woche beschäftigen musste besteht aus Marcus und Will, den wirklich extrem unterschiedlichen Protagonisten aus About a Boy. Seine Gedanken zu den beiden, lest ihr hier.

Was ebenfalls hätte Thema sein können:

  • Ae Fond Kiss (Ken Loach, 2004) – Letterboxd
  • Intouchables (Eric Toledano, 2011) – Letterboxd
  • Broadcast News (James L. Brooks, 1987) – Letterboxd

sandra

Sandra arbeitet als Journalistin und Übersetzerin in ihrer Wahlheimat Frankfurt. Zum Filmesammeln kam sie bereits im Teenie-Alter, was noch heute dazu führt, dass ihre Sammlung von einer leicht pastellfarbenen Schattierung geprägt ist. Stört sie aber nicht...

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