Langer Tanz mit raschem Ende: The Red Shoes

Wenn mir in einem Film etwas Spanisch vorkommt, frage ich ja gerne auch mal nach. So auch an diesem Abend, an dem als erster Film der 1948 produzierte britische Film The Red Shoes auf dem Programm stand. Als Drama wurde er mir angekündigt, nach über einer Stunde konnte ich immer noch nichts davon bemerken. „Kommt noch!“, war die Antwort meines Gegenüber. Und dann ging alles ganz schnell…

In The Red Shoes – einem bis dahin ganz klassischen Ballettfilm – geht es um die junge Tänzerin Vicky Page, die mithilfe des Ballettmeisters Boris Lermontov die große Karriere machen will. Sie beginnt als Ensembletänzerin, reist mit nach Paris und Monte Carlo, wo ihr schließlich die Rolle der Ersten Solistin in einem neuen Ballett angeboten wird. Das Stück, das den gleichen Namen trägt wie der Film, basiert auf dem ebenso gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen: Ein Mädchen verliebt sich in ein Paar roter Tanzschuhe, legt sie an und tanzt sich damit schließlich in den Tod. Ein bisschen wie Victoria in den letzten bedeutungsschwangeren Minuten des Tanzfilms, der dann doch noch ganz unverhofft zum Drama wird.

Der große Konflikt beginnt damit, dass sich die junge Antiheldin, in den Komponisten und Dirigenten ihres ersten großen Erfolges verliebt. Und das nachdem sie sich eben noch elfenhaft durch eine schier endlose Szene getanzt hat, die es versteht, sämtliche filmischen Realitäten außer Kraft zu setzen. Aus der Kastenbühne wird ein Studio von unendlicher Größe, das immer wieder in neue Szenenbilder und zurück führt, ohne die Tänzerin einmal kurz durchzuschnaufen zu lassen und mit gewagten Schnittexperimenten, die für die 1940er-Jahre wohl zu den komplizierteren technischen Effekten zählen.

Zurück zum jungen Glück: Natürlich passt es dem narzisstischen Ballettmeister so gar nicht, dass seine Prinzipalin nur noch Augen für den Herrn im Orchestergraben hat, den er alsbald vor die Tür setzt. Hin- und Hergerissen zwischen der Leidenschaft zum Tanzen und der jungen Liebe begleitet Vicky ihren Liebsten zunächst, kehrt dann jedoch nach Monte Carlo zurück, wo sie erneut vor die Wahl gestellt wird. Dass ihr tödliches Schicksal, mit dem der Film endet, es trotz der vorhersehbaren Parallele zur Märchenfigur schafft, den Zuschauer so sehr ins Herz zu treffen, ist das eigentliche Talent des Films. 130 gut investierte Minuten.

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