Immer auf die Indianer: Key Largo

Schon ganz zu Anfang des Films, als Humphrey Bogart als Kriegsheimkehrer Frank McCloud die Tür zu dem kleinen Hotel von innen hinter sich schließt, ist klar: Das nimmt kein gutes Ende. Zumindest nicht ohne Umwege. Im Gepäck die Nachricht über den Kriegstot eines geliebten Sohnes und Ehemannes, am Empfangstresen allerlei zwielichtige Gestalten und rings um die schmale Insel im Süden Floridas nichts als Wasser, das bald zur Naturgewalt wird.

Es geht nicht nur um eine Geiselnahme in Key Largo, die die Gangster um Johnny Rocco hier verüben, um die Polizei an der Nase herumzuführen und Profit aus den Falschgeldgeschäften zu schlagen. Es geht um eine Situation, die auch ohne die Gangster für die Hotelbewohner bedeuten würde, ohne Ausweg auf der Insel festzusitzen. Nur dann wäre der Aufenthalt für McCloud bedeutend angenehmer. Auch wenn die Tatsache, dass er ein Auge auf die trauernde Witwe (gespielt von real-life Ehefrau Lauren Bacall) geworfen zu haben scheint, früher oder später noch zu Problemen führen kann.

Seiner Zeit voraus

Für mich ist es einer der 1940er-Jahrefilme der aus der Reihe fällt, weil er dem Auge, das zeitgenössisches Hollywood gewöhnt ist, nicht irgendwie langsam und verstaubt vorkommen kann, wie viele seiner Zeitgenossen. Etwa als der ausgetrickste Polizist, der den Tod seiner Kollegen rächt, indem er mit den mutmaßlichen Mördern – zwei jungen aus Gefangenschaft ausgebrochenen Indianern, die an der Anlegestelle das Ende des Unwetters abwarten – kurzen Prozess macht. Oder beim großen Showdown, als es Humphrey Bogart als gezwungenem Fluchthelfer gelingt, die Polizistenmörder, Geldfälscher und durch und durch Kriminellen auf einem gestohlenen Boot zu überlisten.

Die Geschichte – ursprünglich eine Bühnenadaptation eines Maxwell Anderson-Stücks – birgt Spannung, aber auch einen Wimpernschlag dringend benötigte Kritik am Umgang der amerikanischen Bevölkerung mit ihrer Geschichte. Ein Aufruf, der heute aktueller ist denn je. Dass immer die Anderen (in diesem Fall die Indianer) alles abbekommen, war damals schon Unrecht – und das ist es bis heute geblieben.

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