Schaf im Wolfspelz: Donnie Brasco

Irgendwie hatte ich mir Mafiafilme immer anders vorgestellt… Weniger Yachtparty, mehr Pferdekopf… oder so ähnlich. Nun ist Donnie Brasco aber wohl auch kein klassischer Mafiafilm. Das Biopic erzählt die Geschichte des verdeckten FBI-Ermittlers Joseph Pistone, der in den 1970er-Jahren in die Welt des organisierten Verbrechens abtaucht, indem er sich in eine der bekanntesten New Yorker  Mafiafamilien der damaligen Zeit einschleust. Bis zu dem Tag, als er mit einem Mord beauftragt wird und ihm die Sache dann doch zu heiß wird.

In der Zwischenzeit hat Pistone (gespielt von Johnny Depp), der sich als angeblicher Diamantenspezialist in der Szene Donnie Brasco nannte, jedoch schon eine Menge gesehen, Morde beobachtet, Zusammenhänge erkannt, an die die Polizei ohne ihn nie gekommen wäre. Und ganz nebenbei gelingt es ihm durch stetige Abwesenheit im trauten Heim seine Familie an die Wand zu fahren – aber das ist nur eine Nebenlinie des knapp zweistündigen Schauspiels.

Realität ganz nah

Dass die Filmemacher Pistone selbst, der noch heute unter falschem Namen in Polizeischutz lebt, als Berater für die Produktion gewinnen konnten, ist sicherlich beeindruckend und macht den Film für den historisch interessierten Zuschauer allein deshalb sehenswert. Und dennoch fehlt dem Ganzen am Ende eine ganze Prise Gewürz, die den Filmabend möglicherweise etwas kurzweiliger gestaltet hätte und darum vermutlich in Buchform mit der nötigen Vorstellungskraft eine bessere Basis hätte.

Die langen Dialoge zwischen Depp und Al Pacino, der den Mafioso „Lefty“ spielt, der auf die Maskerade hereinfällt, bleiben lang und etwas oberflächlich. Wie sehr hätte man sich erhofft, die Charaktere am Ende des Biopics in irgendeiner Form greifen zu können, ohne dass sie einem ständig wieder entgleiten. Wie sehr würde man sich etwas mehr Tempo wünschen, auch außerhalb der wenigen Szenen mit großem Gemetzel zwischen den Clans. Die Geschichte an sich hätte es hergegeben.

Aber gut… Vielleicht läuft das bei der Mafia ja so.


Sandras 3 Picks

Für die Kategorie Biopics (außer Musik) gab es von Sandra mit Concussion einen auffällig guten Will Smith-Streifen, der das ganze Projekt Cineventure eigentlich in die Wege leitete. Felix Text dazu gibt es übrigens auch hier:

Wäre das Thema bereits als Kategorie ins Rennen gegangen, hätte auch folgendes (spannenderweise alles recht aktuell) passieren können:  

  • The Imitation Game (Morten Tyldum, 2015)
  • 127 Hours (Danny Boyle, 2011)
  • Räuber Kneissl (Marcus H. Rosenmüller, 2008)

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